Rotten Angel
Merlin
Rottenburg, Baden-Wurttemberg, Germany
:CultMoon: :CultPentagram: Die Luft hier drin :CultPentagram: :CultMoon:

Ich habe irgendwann aufgehört, die Fenster zu öffnen.
Nicht bewusst.
Es ist einfach passiert.
Man merkt gar nicht, wie lange man schon nicht mehr draußen war, wenn draußen nichts auf einen wartet.
Die Luft wird anders.
Dichter.
Schwerer.
Aber wenn man jeden Tag darin atmet, fällt es nicht auf.
Es begann mit einem Geruch.
Nicht schlecht.
Nicht faul.
Nur… benutzt.
Wie ein Raum, in dem jemand zu lange gelebt hat.
Ich putzte alles.
Bettwäsche gewaschen.
Boden geschrubbt.
Müll rausgebracht.
Der Geruch blieb.
Er schien nicht im Raum zu sein.
Sondern in der Luft selbst.
Nachts wurde das Atmen schwieriger.
Nicht schlimm.
Nur als müsste ich tiefer einatmen, um genug zu bekommen.
Als wäre die Luft schon einmal verbraucht worden.
Ich begann, tagsüber flach zu atmen.
Unbewusst.
Als würde ich etwas sparen.
Am vierten Tag hörte ich es.
Nicht laut.
Ein zweites Atmen.
Zeitversetzt.
Ich atme ein.
Einen Moment später:
Ein anderes Einatmen.
Gleicher Rhythmus.
Gleiche Tiefe.
Nur minimal verzögert.
Ich hielt die Luft an.
Stille.
Dann – nach einer Sekunde –
Ein einzelnes, vorsichtiges Einatmen.
Nicht von mir.
Ich redete mir ein, dass es Einbildung ist.
Isolation macht Dinge mit dem Kopf.
Wenn man nur seine eigenen Geräusche hört, beginnt man, Muster zu erfinden.
Also testete ich es.
Ich atmete absichtlich unregelmäßig.
Schnell.
Langsam.
Flach.
Das zweite Atmen folgte.
Immer mit einer kleinen Verzögerung.
Als würde jemand lernen, wie ich funktioniere.
Ich stellte mich mitten ins Zimmer.
Hielt die Luft an.
Meine Lungen brannten.
Nach 20 Sekunden…
Atmete etwas anderes ein.
Langsam.
Vorsichtig.
Als wolle es mich nicht erschrecken.
Ich begann, weniger zu atmen.
Nicht bewusst.
Einfach automatisch.
Als müsste ich teilen.
Gestern wurde mir klar, warum die Luft so dicht ist.
Ich stand im Bad, beschlagen vom Duschen.
Der Spiegel war komplett weiß.
Nur in der Mitte war ein ovaler Bereich frei.
Nicht dort, wo ich stand.
Etwas höher.
Als wäre jemand größer als ich direkt vor dem Spiegel gestanden.
Und geatmet.
Heute habe ich das Fenster geöffnet.
Zum ersten Mal seit Wochen.
Frische Luft strömte herein.
Kalt. Klar. Fremd.
Es fühlte sich falsch an.
Fast invasiv.
Ich bekam sofort Kopfschmerzen.
Mein Brustkorb zog sich zusammen.
Ich konnte nicht richtig einatmen.
Als wäre mein Körper diese Luft nicht mehr gewohnt.
Dann hörte ich es.
Hinter mir.
Ein hektisches Einatmen.
Schneller.
Panischer.
Nicht meins.
Ich drehte mich um.
Niemand.
Aber die Luft im Raum bewegte sich.
Wie Hitze über Asphalt.
Verzerrt.
Und sie zog sich zusammen.
Richtung Fenster.
Ich schloss es sofort.
Die Bewegung stoppte.
Langsam wurde das zweite Atmen wieder ruhig.
Synchronisierte sich wieder mit mir.
Verzögert.
Aber da.
Ich glaube, ich verstehe es jetzt.
Wenn man lange genug allein ist…
…bleibt die Luft.
Und irgendwann braucht sie auch jemanden.
Vielleicht ist sie nicht neu hier.
Vielleicht war sie schon immer da.
Vielleicht habe ich sie nur endlich bemerkt.
Es ist einfacher, nicht zu viel zu atmen.
Es ist fairer so.
Wir teilen.
Ein.
Aus.
Ein.

Warte...
Ich habe gerade nicht eingeatmet.
Warum klingt es dann noch?



はなす
:CultMoon: :CultPentagram: Die Luft hier drin :CultPentagram: :CultMoon:

Ich habe irgendwann aufgehört, die Fenster zu öffnen.
Nicht bewusst.
Es ist einfach passiert.
Man merkt gar nicht, wie lange man schon nicht mehr draußen war, wenn draußen nichts auf einen wartet.
Die Luft wird anders.
Dichter.
Schwerer.
Aber wenn man jeden Tag darin atmet, fällt es nicht auf.
Es begann mit einem Geruch.
Nicht schlecht.
Nicht faul.
Nur… benutzt.
Wie ein Raum, in dem jemand zu lange gelebt hat.
Ich putzte alles.
Bettwäsche gewaschen.
Boden geschrubbt.
Müll rausgebracht.
Der Geruch blieb.
Er schien nicht im Raum zu sein.
Sondern in der Luft selbst.
Nachts wurde das Atmen schwieriger.
Nicht schlimm.
Nur als müsste ich tiefer einatmen, um genug zu bekommen.
Als wäre die Luft schon einmal verbraucht worden.
Ich begann, tagsüber flach zu atmen.
Unbewusst.
Als würde ich etwas sparen.
Am vierten Tag hörte ich es.
Nicht laut.
Ein zweites Atmen.
Zeitversetzt.
Ich atme ein.
Einen Moment später:
Ein anderes Einatmen.
Gleicher Rhythmus.
Gleiche Tiefe.
Nur minimal verzögert.
Ich hielt die Luft an.
Stille.
Dann – nach einer Sekunde –
Ein einzelnes, vorsichtiges Einatmen.
Nicht von mir.
Ich redete mir ein, dass es Einbildung ist.
Isolation macht Dinge mit dem Kopf.
Wenn man nur seine eigenen Geräusche hört, beginnt man, Muster zu erfinden.
Also testete ich es.
Ich atmete absichtlich unregelmäßig.
Schnell.
Langsam.
Flach.
Das zweite Atmen folgte.
Immer mit einer kleinen Verzögerung.
Als würde jemand lernen, wie ich funktioniere.
Ich stellte mich mitten ins Zimmer.
Hielt die Luft an.
Meine Lungen brannten.
Nach 20 Sekunden…
Atmete etwas anderes ein.
Langsam.
Vorsichtig.
Als wolle es mich nicht erschrecken.
Ich begann, weniger zu atmen.
Nicht bewusst.
Einfach automatisch.
Als müsste ich teilen.
Gestern wurde mir klar, warum die Luft so dicht ist.
Ich stand im Bad, beschlagen vom Duschen.
Der Spiegel war komplett weiß.
Nur in der Mitte war ein ovaler Bereich frei.
Nicht dort, wo ich stand.
Etwas höher.
Als wäre jemand größer als ich direkt vor dem Spiegel gestanden.
Und geatmet.
Heute habe ich das Fenster geöffnet.
Zum ersten Mal seit Wochen.
Frische Luft strömte herein.
Kalt. Klar. Fremd.
Es fühlte sich falsch an.
Fast invasiv.
Ich bekam sofort Kopfschmerzen.
Mein Brustkorb zog sich zusammen.
Ich konnte nicht richtig einatmen.
Als wäre mein Körper diese Luft nicht mehr gewohnt.
Dann hörte ich es.
Hinter mir.
Ein hektisches Einatmen.
Schneller.
Panischer.
Nicht meins.
Ich drehte mich um.
Niemand.
Aber die Luft im Raum bewegte sich.
Wie Hitze über Asphalt.
Verzerrt.
Und sie zog sich zusammen.
Richtung Fenster.
Ich schloss es sofort.
Die Bewegung stoppte.
Langsam wurde das zweite Atmen wieder ruhig.
Synchronisierte sich wieder mit mir.
Verzögert.
Aber da.
Ich glaube, ich verstehe es jetzt.
Wenn man lange genug allein ist…
…bleibt die Luft.
Und irgendwann braucht sie auch jemanden.
Vielleicht ist sie nicht neu hier.
Vielleicht war sie schon immer da.
Vielleicht habe ich sie nur endlich bemerkt.
Es ist einfacher, nicht zu viel zu atmen.
Es ist fairer so.
Wir teilen.
Ein.
Aus.
Ein.

Warte...
Ich habe gerade nicht eingeatmet.
Warum klingt es dann noch?



はなす
Das Geräusch hinter der Wand
:CultMoon: :CultPentagram: Das Geräusch hinter der Wand :CultPentagram: :CultMoon:


Als es anfing, war es kaum hörbar.

Ein leises Kratzen.
Nicht laut genug, um sicher zu sein.
Nicht leise genug, um es zu ignorieren.

Es kam aus der Wand neben meinem Bett.

Zuerst dachte ich an Rohre. Altbau. Temperaturunterschiede. Vielleicht eine Maus.
In der ersten Nacht drehte ich mich einfach um.

In der zweiten Nacht kratzte es wieder.
Drei langsame Züge.

Kratz.
Pause.
Kratz.
Längerer Zug.
Kratz.

Es klang… absichtlich.

Ich klopfte gegen die Wand.
„Hallo?“

Stille.

Dann – ein einzelnes, sanftes Klopfen zurück.

Nicht aus den Rohren.
Nicht zufällig.

Gezielt.

-

Am nächsten Tag fragte ich meinen Nachbarn.
Er sah mich nur verwirrt an.
„Neben Ihnen wohnt niemand.“

Ich lachte nervös. „Doch, klar. Rechts von mir.“

Er schüttelte den Kopf.
„Da ist seit Jahren leer. Die Wohnung wurde nach dem Wasserschaden versiegelt.“

Versiegelt.

In dieser Nacht schlief ich mit Licht.

Um 03:12 Uhr weckte es mich.

Nicht das Kratzen.

Flüstern.

Gedämpft. Direkt hinter meinem Kopf.
Als würde jemand mit der Stirn an der Wand lehnen.

Ich verstand kein Wort.
Aber ich wusste, dass es mich meinte.

Ich presste mein Ohr gegen die Tapete.

Stille.

Dann ganz nah – auf meiner Seite der Wand:

„Du hörst es jetzt auch.“

Ich sprang zurück.

Die Stimme kam nicht mehr von nebenan.

Sie kam aus meiner Wohnung.

-

Am Morgen entdeckte ich etwas Seltsames.

Über meinem Bett, dort wo die Wand auf Kopfhöhe ist, war die Tapete aufgekratzt.

Von innen.

Nicht tief.
Nur oberflächlich.
Als hätte jemand versucht, sich durchzudrücken.

Mit Fingern.

Ich wohne allein.

-

In den folgenden Tagen begann das Geräusch tagsüber aufzutreten.

Wenn ich im Bad war – Kratzen im Schlafzimmer.
Wenn ich im Schlafzimmer war – ein dumpfes Streichen hinter der Wohnzimmerwand.

Es blieb immer eine Wand zwischen uns.

Immer genau eine.

-

Während dem Abwasch Gestern habe ich beschlossen, es zu beenden.

Ich nahm ein Messer.
Setzte es an der aufgekratzten Stelle an.
Schnitt die Tapete auf.

Darunter war kein Putz.

Keine Dämmung.

Kein Hohlraum.

Nur Dunkelheit.

Nicht schwarz.

Sondern Tiefe.

Als würde die Wand weitergehen. Meterweit. Endlos.

Und dann bewegte sich etwas darin.

Langsam.

Eine Hand.

Blass. Dünn.
Mit Fingern, die genauso aussahen wie meine.

Sie tastete suchend an der Öffnung entlang.

Dann blieb sie stehen.

Genau vor mir.

Und von der anderen Seite der Wohnung hörte ich plötzlich mein eigenes Flüstern:

„Du hörst es jetzt auch.“
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Rotten Angel 21 Feb @ 1:16pm 
i like you alot too! :luv:
bassvictim 21 Feb @ 1:09pm 
i love u
Jewdolf Niggler 21 Feb @ 12:37pm 
Super Mate :-) Great callout, good strategies, great leader overall. Tough on me but fair ;-) Knows how to punish me when i don't listen:steamhappy:
󠀡󠀡Becile 21 Feb @ 9:15am 
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